Pulau Weh, Nachtrag

Die Zeit auf Pulau Weh, verbracht zum großen Teil in der mitgebrachten Hängematte, war dann nach ein paar Tagen auch schon wieder vorbei. Am letzten Tag durfte man dabei schon gar nicht mehr schnorcheln oder gar tauchen, denn es war lokaler Festtag – das jährliche Gebet zu Allah um eine freundliche See. Wahrscheinlich bin ich der Einzige, der darüber schmunzeln muss in dieser strenggläubig muslimischen Ecke ein derartiges, im Koran definitiv nicht vorgesehenes Ritual mitzuerleben, aber ok 😉

Mitzuerleben ist auch das Stichwort, bin natürlich wieder per Becak los nach Iboih und dann zum Fest. Dies war aber relativ schlicht – ein gutes Dutzend Männer (natürlich keine Frauen) saßen auf einer Empore im Kreis und sangen Verse aus dem Koran.

Als dies nach einigen Minuten zu Ende war, wurde aufgetischt. An zwei Ständen (streng getrennt Männlein und Weiblein) wurde Reis mit einer Soße gereicht, die im Wesentlichen aus Rinderinnereien zu bestehen schien. Nicht so eklig wie es klingt, aber ich hatte schon besser gegessen. Aber wenn selbst der Hafenkommandant in voller Uniform kommt, ist es offiziell ein großes Fest…

Apropos Hafen, die Überfahrten per Fähre waren insoweit interessant, als sie mal wieder zwei Wahrheiten des Reisens in Regionen wie dieser bestätigt haben.
Erstens: wieviele Menschen passen auf so eine Fähre? Klar, so viele wie mit wollen! Wobei es an Bord ziemlich gesittet zu geht, und der Indische Ozean gegenwärtig auch topfeben ist, also weder Gefahr noch sonstiges Problem.
Zweitens: übertriebene Bescheidenheit ist so eine Sache. An den Kassen werden Tickets für die Erste und Zweite Klasse verkauft. Der Kauf einer Fahrkarte erster Klasse wäre aber völlige Verschwendung, da abgerissen wird lang vor Betreten der Fähre, dann schert keinen mehr das Ticket. Und die Bezeichnung der Klassen an Bord, die ich eher Holzklassen A und B nennen würde ist schon cool:

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Pulau Weh

Hallo liebe virtuell Mitreisende,
ich weiss, der nächste Post ist schon lang überfällig. Hoffentlich habt Ihr deshalb noch nicht die Lust verloren, weizerzulesen….

Nach Banda Aceh kam die Überfahrt nach Pulau Weh. Dies ist eine gar nicht ganz so kleine Insel vor der Nordspitze von Sumatra. Ziemlich hügelig – klar, Vulkangestein eben – und bekannt vor Allem für seine Unterwasser – Attraktionen. Ich hatte mich eingemietet bei Freddies, dem „Resort“ eines Südafrikaners, der hier hängen geblieben ist. Nicht ganz unverständlich, wie man bereits beim ersten Blick aus dem Bungalow zu sehen bekam:

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Nice! Sumur Tiga, so der Name des unten abgeschnittenen Strandes, ist in der Tat der schönste und breiteste Strand der Insel. Wie ich in den nächsten Tagen gelernt habe, heißt das aber nicht viel, denn es gibt auf Pulau Weh fast keinen Strand. In der Nähe von Iboih, einem der touristischen Hauptorte der Insel etwa 20 Kilometer von Sumur Tiga gibt es einen Abschnitt, der Long Beach genannt wird. Long Beach ist geschätzte 2 mal 5 Meter. Dass sie das daneben liegende, einfache Hostel nicht Palace Hotel genannt haben ist auch alles…

Grundsätzlich ist Sumur Tiga nicht falsch. Es ist nicht überlaufen, man kann sich definitiv auf den Strand legen zum sonnen (hab ich selten gemacht) und man kann direkt vom Strand aus schnorcheln gehen. Das wiederum habe ich fast täglich gemacht,außer letztem Sonntag. Das Essen in einem lokalen Warung war zwar lecker, mein Magen mochte es aber nicht so gern wie mein Gaumen. OK, kommt vor.

Schnorcheln vor Sumur Tiga is prima, man sieht eine ganze Reihe schöner bunter Fische. Jedenfalls denkt man das, bis man bei der Hauptattraktion der Insel war, der nochmal ein paar hundert Meter vorgelagerten kleinen Insel Pulau Rubiah. Dort zu schnorcheln kann man nur vergleichen mit einem tropischen Aquarium, das Badewannentemperatur hat. Es ist unglaublich, was man dort in direkter Ufernähe alles zu sehen bekommt, von Schwärmen unterschiedlichster bunter Fische über Tintenfische, Seespinnen und was weiß ich großartig! Die Korallen sind nicht prall, zumeist abgestorben aber das ist eben nicht die Attraktion hier. Der Ausflug dahin war herrlich, aber ließ danach halt auch Sumur Tiga deutlich verblassen…

Wie bin ich eigentlich nach Rubiah gekommen? Die Fischer rudern einen rüber von Iboih. Und dorthin? Mit dem Touristen – Transportmittel Nummer eins hier, dem Becak.

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Dabei handelt es sich um normale Motorräder, an die kunstvoll Beiwagen meist Marke Eigenbau angeschraubt sind. Damit ist man dann mit Tempo 50-70 über die hügelige Insel unterwegs. Selbstverständlich ohne Helm, aber das kann man sich ja denken. Andererseits, nachdem ich einen Teil meiner Stadtführung in Banda Aceh, das deutlich befahrener ist als Sozius auf dem Motorrad bekommen habe und da natürlich auch keiner Helm trug, ficht mich das im Becak nun echt nicht mehr an…

Banda Aceh die (erstmal) Letzte

Höchste Zeit für ein neues Update liebe Gemeinde, soll sich ja keiner vernachlässigt fühlen 😉

Ich hatte aufgehört mit dem geschlossenen Tsunami – Museum. Dort bin ich dann später auch wirklich noch rein – aber nicht allein. Um etwa 3 Uhr wurde ich aufgegabelt von Mayang und ihrem Ehemann, Couchsurfer aus Banda Aceh. Zusammen haben wir die üblichen Tsunami – Memorials abgeklappert. Im klimatisierten Auto doch angenehmer als zu Fuß, und mit einheimischen Erklärungen auch noch imposanter und aufschlussreicher als alleine. Zunächst sind wir zum Generator-Schiff – ein echt fetter Brocken von Schiff, dass vor der Zeit des Tsunami im Hafen als Notstromversorgung diente. Jetzt liegt der Koloss von Schiff etwa zwei Kilometer tief an Land, und wurde zu einem Mahnmal ausgebaut. Durchaus geschmackvoll zurückhaltend. Etliche lokale Touristen waren dort, ich war aber wie üblich die einzige Langnase.

Dann ging es in das erwähnte Museum. Der Eingangsbereich ist – mangels eines besseren Wortes – krass.
Man geht durch einen sehr schmalen Gang, in fast absoluter Dunkelheit, links und rechts stählerne schwarze Wände, die ca. 10 Meter senkrecht empor ragen, und an denen Wasser herunter läuft. Unglaublich beklemmend, aber wahrscheinlich eine wirklich nicht schlechte Simulation, wie gewesen sein muss in der Welle…
Im Vergleich dazu ist der Rest des Museums eher „normal“, was aber nicht schlecht ist. Und was die Katastrophe selbst angeht – bei der in der Region etwa 150.000 Menschen ums Leben gekommen sind – so wird sie von den Einheimischen inzwischen als Segen empfunden. Absurd? Nur auf den ersten Blick. Denn eines ist in dieser Gegend, in der bis zum Tsunami Bürgerkrieg herrschte, jeden Tag spürbar – die sehr gläubigen Menschen der Region haben es als Zeichen gesehen, ihre eitlen Differenzen beizulegen und sich zu helfen anstatt Krieg zu führen. Und so fühlt sich Banda Aceh auch an – friedlich und harmonisch. Der Verkehr ist zwar lebhaft aber eher rücksichtsvoll, die Menschen begegnen einem meist wirklich mit einem Lachen im Gesicht, und man fühlt sich nie bedroht oder bedrängt. Wenn ich das mit so ziemlich jeder Stadt in Mittelamerika vergleiche, ein Unterschied von Tag und Nacht. Sehr schön!

Banda Aceh, Tag 2

Habe direkt mal verschlafen. War nach der Reise natürlich müde, aber es ist eben auch nicht so einfach, Einträge Gefühl für die Zeit zu bekommen in einem Zimmer ohne Fenster (normal hier).
Dann mache ich das, was hier eigentlich niemand niemand macht – ich gehe zu Fuß! Bis in die Stadt. Bei 35 Grad, extremer Luftfeuchtigkeit und auf Gehwegen, die voll sind mit Touristenfallen. Damit sind keine überteuerten Geschäfte o.ä. gemeint, sondern die meist fehlenden Gullydeckel. Weshalb man beim Laufen wirklich immer schauen sollte, wo man hintritt…
Aber es macht trotzdem Spaß – man sieht eben viel mehr wenn man geht. Auch wenn das überqueren einer Straße hier schon schwierig ist – macht eben auch keiner…

Erster Stopp war die große Moschee von Banda Aceh. Es sind schon viele Menschen da, es ist schließlich Freitag und um 12 Uhr ist es Zeit zum Gebet. Ich ziehe meine meine Schuhe aus und gehe hinein. Schönes Gebäude, einige Menschen beten bereits, andere schlafen in den angenehm kühlen Räumen. Ich werde bald gebeten zu gehen, da meine Hosen ein paar Zentimeter oberhalb der Knöchel enden. Das gilt als unziemlich, zumindest für eine Langnase. Aber ok, ich habe gesehen was ich sehen wollte.

Dann ein Stück weiter ist ein Park, der zu Ehren aller Länder eingerichtet wurde, die nach dem Tsunami geholfen haben

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Eine schöne Geste! Hier wird auch allen Ländern gedankt, die nach der Katastrophe geholfen haben:

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Etwas weiter ist das Tsunami Museum, das aber – wie alles hier – während des Freitagsgebets geschlossen ist. Werde später nochmal hingehen

Banda Aceh

Die Ankunft in Banda Aceh ist in etwa wie erwartet. Kleiner Flughafen, Gepäck ist schon da wenn man das Visa on arrival gekauft hat. Kaum kommt man raus, wird man schon von Taxifahrern bedrängt, die einen alle direkt in die Stadt bringen wollen. Der Preis ist fixiert, 100.000 Rupien, etwa 8 Euro. Kein Thema – hab ja den großen Rucksack und mein Daypack dabei, außerdem erschlägt mich die Hitze. Ab ins Hotel Mekkah. Dort spricht man wenig Englisch, aber es reicht. Das Zimmer ist in etwa auf dem Niveau eines Super 8 Motels – also eher bescheiden. Aber irgendwie macht mir das gar nichts – bin froh angekommen zu sein. Das Bett ist gut, halbwegs sauber ist auch und es gibt sogar warmes Wasser (warum auch immer). Passt.

Am Abend habe ich schon meine erste Verabredung – ein Couchsurfer hatte mir den Kontakt zu Diana vermittelt, ein Mädel das hier lebt, gut Englisch spricht und interessiert ist, mit Fremden zu reden. Also treffe ich mich mit ihr und zwei Freunden, gehen was Essen und Kaffee trinken (Bars gibt es ja nicht in dieser sehr moslemischen Gegend. Übrigens auch keine Clubs – ist halt auch gegen die religiösen Verhaltensregeln…) Aber es hat Spaß gemacht, und so bekam ich einen ersten Eindruck der Stadt!

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Anreise

Und so beginnt die Reise – bzw. hat sie schon vorgestern.
Anfahrt zum Flughafen war etwas beschwerlich (danke fürs streiken liebe Lokführer) aber ok, Flug erst mit einer A350 von Qatar Airlines nach Doha (sehr schönes, bequemes Flugzeug, guter Service), dann weiter mit einer Boeing 777-300ER nach Kuala Lumpur (veraltete Blechbüchse, miese Sitze, kein nennenswerter Service – Qatar setzt seine guten Crews offenbar auch auf den guten Flugzeugen ein – verständlich – und schreiende Kinder den ganzen Nachtflug über, was deren Eltern aber so gar nicht scherte…)  und schließlich mit AirAsia in einem uralten A320-200 nach Banda Aceh (AirAsia ist die asiatische Antwort auf Ryanair, in aller Hinsicht).

T minus 2

Übermorgen. Verflixt, dass ist echt bald. Bisher bin ich irgendwie noch gar nicht so recht darauf eingestellt, dass es jetzt wirklich endlich wieder losgeht. Ja, der Rucksack ist weitgehend gepackt, und trotzdem…

Immerhin wird es eine besondere Reise. Nicht besonders lang – 3 Wochen sind im Vergleich zu meiner Reise vor 5 Jahren, als ich über ein halbes Jahr unterwegs war, natürlich ein Scherz. Und trotzdem – irgendwie ist es ähnlich. Endlich mal wieder den Rucksack auf und los, zumindest für ein paar kurze Wochen frei fühlen. Wird Zeit! Schließlich werde ich während dieser Reise 40 – wer weiß, wie oft ich noch so reisen kann. Das habe ich mir schließlich vor 5 Jahren auch schon gesagt… 🙂

Nichts desto trotz – ich freue mich drauf, mal wieder einen Teil der Welt zu sehen, in dem ich noch nicht war, der mir bisher völlig fremd war. Aber das war Mittelamerika auch, bis ich einfach hingefahren bin. Und dort so viel erlebt habe, fast alles davon schön. Keine Garantie, dass es diesmal genauso wird, aber trotzdem – noch lange kein Grund, nur auf Nummer super-sicher zu gehen und dadurch gerade zu vermeiden, das zu erleben, warum ich doch reise: authentische Eindrücke. Ist natürlich irgendwo eine Illusion, schließlich sind die drei Zeile meiner Reise – Banda Aceh + Pulau Weh, Bukit Lawang und Yogyakarta – weitgehender Mainstream auf dem Backpacker trail, aber man muss ja mal anfangen. Bei einigen Couchsurfern habe ich angefragt wegen eines Treffens, auch im Bekanntenkreis gibt es Menschen aus Indonesien die mir lokale Kontakte vermitteln wollen – bring it on. Ich bin bereit!

Und nur für’s Protokoll – liebe Lokführer, die ihr wieder einmal streiken wollt für Eure Spartengewerkschaft – Ihr könnt mich mal! In einem Anfall geistiger Klarheit habe ich mir schon vor Wochen auch ein Busticket zum Flughafen geholt! Ätsch! Ihr versaut mir meine Reise nicht…. ^^